Wie schon Daniel (Taiwan, danke für die wunderbare Rezension auch hier) geschrieben hat, ist der Film nicht leicht. Die Geschichte zweier Liebende am Ende der 50-Jahren in Hiroshima, berührt uns auf mehreren Ebenen. Es macht uns nachdenklich und bleibt lange, sehr lange im Bewusstsein. Alain Resnais hat den Film 1959 gedreht. Man muß sich vorstellen, der Film wurde auf den Originalschauplätzen gedreht. Man sieht sowohl Hiroshima 14 Jahre nach der Katastrophe, wie auch die französische Stadt Nevers an der Loire. Die zwei so vierschiedene Städte verschmelzen in eine Geschichte, die zwei Liebende zusammengeführt hat. Eine französische Schauspielerin (Emmanuelle Riva), deren Namen in Film wir nicht erfahren, spielt eine Rolle in der internationalen Produktion in Hiroshima. Sie sagt, man kann in Hiroshima NUR Filme über den Frieden drehen, das sei die einzige Möglichkeit. Zwei Tage vor der Abreise nach Paris trifft sie einen Japaner (Eiji Okada) und verbringt mit ihm die Nacht in ihrem Hotel. Der Japaner, dessen Namen wir auch nicht wissen, ist ein Architekt, zur Zeit alleine zuhause. Die beiden sind verheiratet, glücklich sagen sie...Die Schauspielerin hat zwei Kinder, der Mann erzählt nur über seine Frau. Nicht viel, sie auch nicht. Man sieht sie beim Liebesakt, ohne jedoch irgendwas zu "sehen", man ahnt die Passion, fast eine Amour fou, die zwischen ihnen in wenigen Stunden entstanden ist. Man hört die namenslose Schauspielerin (oder eine andere Stimme), wie sie erzählt, was sie alles in Hiroshima gesehen hat. Man hört die männliche Stimme, die ihr opponiert: 'Nichts hast Du gesehen, nicht hast Du verstanden. RIEN! oder DE RIEN!' Wieder und wieder sieht man die beiden, hört ihre Gespräche, ihre Versuche zu Erklären, zu Verstehen... Am nächsten Tagm, es ist der letzt Tag der Aufnahmen für den Film, besucht der Japaner zu die Schauspielerin am Set. Sie geht mit ihm in sein Haus, obwohl sie sich zuerst wehrt. Die Liebe, besonders körperliche, ist stärker, so stark, dass die Schauspielerin IHM von ihrer ersten Liebe erzählt. Von ihrer Heimatstadt Nevers, von der Zeit, als sie 18 bzw. 20 Jahre alt/jung wurde. Sie war in Paris, als die B. auf Hiroshima fiel, es war ein heißer Tag. Das weiß sie noch ganz genau. Er war noch im Krieg als Soldat. Aber sie kann die Nähe zwischen ihnen nicht ertragen, läuft weg, er ihr hinterher. Sie verbringen den Abend in einer Bar, sie trinkt Bier und erzählt...Er fragt nach und kommentiert. Sie erzählt zum ersten Mal ihre Geschichte, ihre persönliche Tragödie. 'Ich bin der Erste, der das weiß', fragt er...'ja, Du bist der Erster'... Er umarmt sie, er bekam von ihr ein Geschenk, aber auch eine Bürde, die Trauer, die sie 14 Jahre in sich trägt. Er bietet sie: 'Bleib hier, bleib wenigstens drei Tage'. Sie lehnt ab, die drei Tage werden ihr nicht helfen. Sie hat Hiroshima gesehen, die Stadt, die nach der Wiederaufbau mit vielen Reklamen "geschmückt" ist, die niemals schläft. Die Betonbauten, das Hotel mit sterilem Zimmer, in einem hat sie mehrere Wochen verbracht. Ohne jeglichen persönlichen Konfort. Dort konnte sie sich erinnern. Hiroshima ist ein Platz zum Denken, zum Verzeihen, zum Weinen, nicht aber zum Lachen... Hiroshima und ihr Liebhaber sind eins geworden mit Nevers und "damals"... Resnais hat sich mit »Hiroshima, mon amour« eine sehr komplexe Geschichte "ausgedacht". Marguerite Duras, die ich sehr verehre, schrieb das Drehbuch. Der Film ist "fast statisch", die Kameraeinstellungen zeigen die Bilder aus der jetziger Zeit, aber auch die Mahnmale, die wie Arme und Beine der Toten und Verletzten aussehen. Sie zeigt die Moleküle der Haut der beiden Liebenden, unscharf und so nah, so weit... Sie vermag uns zu vermitteln, dass 14 Jahre nach dem Kriegsende die inneren Wunden noch immer vorhanden sind. 'Wir werden uns wahrscheinlicht nicht mehr sehen im diesen Leben', sagen die beiden. 'Außer, es kommt wieder zum…". Ja, la guerre.... Hiroshima und Nevers, so weit, so nah... Die Menschen starben und litten dort und da, der Krieg war in Hiroshima, Japan, aber auch in Nevers, Frankreich... Ein Film, den man sich nicht unbeding bei "depressiven" Stimmung ansehen sollte. Obwohl, er trägt so viele wunderbare Wörter, so viele Möglichkeiten - um zu VERZEIHEN!