Sensationell gute Aquarellfarben für das Geld! Sehr strahlend, hochpigmentiert, sehr transparent. Den kleinen zusätzlichen Plastikdeckel, mit dem die Farben geschützt werden, kann man auch als Mischpalette verwenden. Weitaus besser als z.B. die gehypten Arteza-Aquarellfarben - und reichen imho sogar knapp an die W & N Cotman-Farben heran. Ich reiche eine umfangreichere Besprechung noch nach, aber ich wollte - weil das eine so tolle Qualität ist - dem Hersteller gegenüber so fair sein, hier sofort positiv zu bewerten. Ich bin auf das Äußerste zufrieden. Solange der Preis hier unter 12 Euro liegt, gibt es nur einen vernünftigen Ratschlag: Kaufen! Das sind richtig tolle Aquarellfarben. Ergänzung 06.01.2020 -------------------------- Die Farbtöpfe sind nicht ganz gefüllt, produktionsbedingt, dafür bleibt die Farbe auch über einen längeren Zeitraum halbfeucht und löst sich perfekt an. Die einzelnen Farbnäpfe wiegen etwa 4,8 Gramm, und enthalten damit rund 40 Prozent mehr Farbe als die Halbnäpfe von Arteza oder W & N Cotman. Ich bin nach wie vor sehr zufrieden. Wer echte Aquarellfarbe haben möchte, die sowohl transparent, brillant und gut sowie gleichmäßig pigmentiert ist, sowie ausreichend Netzmittel (Ochsengalle) enthält, damit auch die Nass-in-nass-Techniken der Aquarellmalerei gut funktionieren, trifft hier eine gute Wahl für verblüffend wenig Geld. Das ist gute Farbe in Studienqualität, die teils sogar an Künstlerqualität heran reicht. Nicht völlig frei von kleineren Mängeln, aber insgesamt von einem sehr hohen, sehr guten Niveau. Die Bewertung, dass diese Aquarellfarben deutlich besser sind als die Arteza-Aquarellfarben, unterstreiche ich. Ich werde hier mal einige Farbausmischungen nachreichen, um das zu belegen. Ich finde aber, dass die Windsor & Newton Cotman-Farben etwas besser sind in der Gesamtqualität als diese Aquarellfarben von Artway. Die Artway-Farben (also diese hier) sind jedoch transparenter, gleichmäßiger pigmentiert, und von der der Farbauswahl und Pigmentqualität fast allen Arteza-Farben deutlich überlegen. Negativ-Punkte: ------------------- Es gibt ja immer etwas zu meckern, auch bei so preiswerten Angeboten (z.Zt. 8,39 Euro). Natürlich auch hier: * kleinere Mängel bei der Farbauswahl (s.u.) * keine Pigment-Informationen * kein Nachkaufen einzelner Farben * insgesamt nur 12 Farben bzw. nur ein 12er-Set (denn von dieser guten Qualität hätte ich gerne mehr...!) * keine Informationen über Lightfastness der einzelnen Farben (sieht hier aber nach guten Pigmenten aus) Einige Anmerkungen zu den einzelnen Farben: ------------------------------------------------------ Weiß: Naja. Eigentlich finde ich die Farbe "weiß" sehr diskussionswürdig bei einem 12er Aquarellfarbenset. Man hätte stattdessen ein echtes Zitronengelb, oder ein dunkles Indigoblau nehmen sollen. Immerhin deckt dieses Weiß sehr gut, basiert ebenfalls auf dem Bindemittel Gummi Arabicum, sodass es in Farbausmischungen nicht störend wirkt. Man kann damit nachträglich helle Akzente hereinmalen, z.B. Reflektionen, oder man tönt damit z.B. das gute Paynes Grey auf einen helleren Farbton herab, bzw. erzeugt damit Guache-artige (also deckende), pastellige Farbtöne. Gelb: Da haben wir die erste Schwäche! Das ist ein helles Kadmiumgelb, aber dunkler als Hamza-Gelb. Das heißt, es handelt sich hier um ein relativ warmes Gelb, mit dem orange- und braun-Ausmischungen ganz wunderbar funktionieren, aber grün-Ausmischungen stets einen Schlag ins Olivgrüne erhalten. Verglichen mit professionellen Künstler-Aquarellfarben (Schmincke oder White Nights) ist es von einer mittelschwachen Pigmentierung, aber noch knapp OK. Zusammen mit dem Phtalogrün dieses Kastens gelingen dennoch gute, brillante Grünausmischungen, allerdings muss man sich dafür manchmal etwas anstrengen, um den Farbton zu treffen. Grünausmischungen mit dem Preußisch Blau gelingen aber schon nicht mehr bzw. werden automatisch grünoliv. Zinnoberrot: ein sehr schön pigmentiertiertes, brillantes und warmes Rot, das beinahe orange ausfällt und von vielen wohl als "Dunkelorange" aufgefasst werden wird. Orangeausmischungen und warme Brauntöne gelingen hier problemlos, bewährt sich auch in allen anderen klassischen Farbausmischungen. Auch für nass-in-nass-Techniken ist es großartig - es "explodiert" geradezu auf vorgenässten Untergründen, ohne dabvei zu stark zur Kantenbildung zu neigen. Halbdeckend, wie dies oftmals im Aquarellbereich ist, bei Orangetönen bzw. einem sehr warmen Zinnober-Rot typisch ist. Sehr schön. Kirschrot: Soll vermutlich das klassische "Alizarin-Crimson-Rot" darstellen, und macht sich als brillanter Farbton sehr schön. Auch hier intensiv pigmentiert, in starker Verdünnung ergibt sich eine perfekte Fleischfarbe. Bei intensiven Farbauftrag halbdeckend bis deckend, aber problemlos transparent wirkend bei normalem Farbaufrag, gutes Mischverthalten. Farbausmischungen mit dem Preußischblau ergeben sich recht gute Violett-Tone, allerdings geraten die rötlich-violetten Töne weniger schon. Das ist aber alles recht normal. Gute Farbe. Mir persönlich gefällt ein intensives Kirschrot in einem 12-Aquarellkasten besser als das stärker zu Magenta neigende, in anderen Kästen meist bevorzugte Alizarin-Crimson-Rot, darum, weil auf diese Weise brillante Rotausmischungen mit mittleren Rot-Tönen leichter zu erzielen sind. Wirklich eine gute Farbeintscheidung hier für ein "kaltes Rot". Preußisch Blau: Im Prinzip gut getroffen, allerdings scheint es sich hier um eine Michung aus Preußischblau und einem Anteil Phtaloblau zu handeln. Im Ergebnis ergibt sich hier ein brillanter, trotz Intensität sehr transparenter, "kalter" blauer Farbton, der sich sehr gut mit dem Phtalogrün verträgt und ausmischt. Im dünnen Farbauftrag ergeben sich diverse "Himmelblau"-Varianten. Zusammen mit den Zinnober-Rot ergibt sich ein riesiges Spektrum guter, transparenter Brauntöne und neutraler Farbtöne. Sehr brauchbar. Ultramarin: Farbton genau getroffen, echtes Ultramarin (wird bei den Billigkästen zunehmend selten), sehr brillant, feinstes Pigment, kaum granulierend. Pigmentintensität mittel, aber völlig ausreichend. Auch hier wie bei allen anderen Farben gute Eignung für nass-in-nass-Techniken. Gut. Phtalogrün: Gut pigmentiert, brillant und stark transparent, recht intensiv und (erfreulich!) mit nicht zu starken blauen Unterton, wodurch diverse Grünausmischungen deutlich erleichtert werden. Es gibt bei den im Aquarellbereich verbreiteten Phalogrüns die unterschiedlichsten Varianten, die "grüneren" Pigmente sind im Einkauf etwas teurer, und genau so ein Pigment kam hier zum Einsatz. Im sehr dünnen Farbauftrag ergeben sich hier Minttöne. Auch nicht übertrieben stark pigmentiert, sondern genau richtig. Sehr gut. Olivgrün: Kann man sich drüber streiten. Einerseits eine brauchbare Farbe für Urban Sketching oder Naturbilder, hier etwas weniger stark pigmentiert, neigt aber im Gegensatz zu den anderen Farben zum "Kantenziehen" bzw. zu scharfen Farbrändern. Das kann an natürlich auch als Stilmittel nutzen, aber nunja. Hier kam diesmal, zumal gemessen am Pigment, zu viel Ochsengalle als Flussmittel zum Einsatz. Ich hätte den Farbton lieber etwas heller gehabt, ähnlich z.B. bei W & N Cotman, sodass man es dann bei den Grünausmischungen leichter hat. Das ist übrigens ohnehin der Hauptzweck dieser Farbe - man macht damit also das Phtalogrün "natürlicher" bzw. mischt sich damit Grünvarianten zusammen, ggf. unter Zuhilfenahme des Gelbtones. Allerdings, dunklere Olivtöne wie diesen hier kann man sich mit Hilfe des Phtalogrün (und dazu z.B. Brauntöne oder das Zinnober-Rot) selbst sehr leicht herstellen. Noch knapp OK. Sienna Natur: Sehr transparent! Vernünftig, nicht zu intensiv pigmentiert, beinahe brillanter gelblicher Braunton, der stark verdünnt auch gut für Hauttöne heran gezogen werden kann. Verhält sich problemlos in allen Ausmischungen. Gut. Roter Ocker: Solider mittlerer Braunton, halbtransparent bis transparent, was für Aquarellfarben ungewöhnlich ist und belegt, da