Nach ca. 100 Arbeitsstunden habe ich die HMS Rodney von Trumpeter im Maßstab 1/200 fertiggestellt . Da es noch keines Rezension dieses Bausatzes gibt , mache ich 'mal den Anfang. Viele werden sich die Frage stellen , ob es Sinn macht die HMS Rodney zu bauen , wenn man sich bereits das Schwesterschiff im selben Maßstab ( HMS Nelson ) gewagt hat . Meines Erachtens ganz klar : ja . Anders als bei den Trumpeter-Bausätzen der Iowa-Klasse in 1:200 , die sich abgesehen von den unterschiedlichen Brücken nur marginal voneinander unterschieden, differieren die Nelson und die Rodney ganz erheblich voneinander . Die Nelson wurde während des 2. WK umfassend umgebaut und modernisiert , die Rodney hingegen nicht und da die Nelson von Trumpeter in dem Zustand nach dem Umbau herausgebracht wurde , kann man beinahe sagen , man habe 2 völlig unterschiedliche Bausätze fertiggesellt , selbst wenn die Silhouetten Schiffe auf den ersten Blick nahezu identisch wirken .Hinzu kommen völlig unterschiedliche Farbschemata . Die Rodney hatte meines Wissens mindestens 3 unterschiedliche Bemalungen gehabt , zum Einen eine in langweiligem grau , dann eine Tarnbemalung in braun , grün und grau ( um 1940 ) , über die es so gut wie keine Informationen gibt und last but not least das reichlich psychodelisch wirkende Tarnschema , an dem ich mich versucht habe. Leider gibt es auch hierzu kaum verlässliche Informationen , auch bei Bauberichten im Internet gewinnt man den Eindruck , dass jeder den Bausatz "frei Schnauze" angepinselt hat und so habe ich mich letztlich an einem ( allerdings digital ) colorierten Foto orientiert , das 1942 auf Liverpool Reede gemacht worden sein soll . Dieses Farbfoto zeigt die Bb-Seite der Rodney , von der Stb-Seite hingegen gab es leider nur Schwarzweißfotos und ich versuchte , anhand der unterschiedlichen Grauschattierungen die Tarnbemalung zu rekonstruieren . Ob die Rodney tatsächlich so aussah , entzieht sich leider meiner Kenntnis . Grundsätzlich sei gesagt , dass sich nur jemand mit reichlich Erfahrung und/oder Selbstbewusstsein an diese reichlich abgefahrene Tarnbemalung machen sollte . Ansonsten böte sich eine Farbgebung in besagtem unifarbenem Navy-Gray an . Auch das Tarnschema von 1940 ist einfacher zu malen , leider ist es sehr schwierig , im www dazu nähere Informationen zu finden . Unabhängig vom Farbschema richtet sich dieser Bausatz mit seinen ca. 1250 Einzelteilen nicht an Einsteiger . Eine gewisse Erfahrung muss vorhanden sein , dennoch dürfte ein halbwegs erfahrener Hobbymodellbauer hier vor keine allzu großen Probleme gestellt werden . Trumpeters Qualität verbessert sich permanent und wer die "USS Missouri" , die "Bismarck" , die "Iowa" oder die "USS Arizona" erfolgreich gebaut hat , wird mit der Rodney keine Probleme haben , da sie einfacher zu bauen ist als die vorgenannten Bausätze . Ich habe den Bausatz weitgehend "OOB" gebaut , allerdings habe ich noch ein Holzdeck von "Artwox" samt einiger Ätzteile erworben , die das Modell optisch ein wenig aufwerten . Es gab wohl auch eine Phase , in der selbst das Hauptdeck der Rodney in diesem wilden Tarnschema gehalten war , aber das wäre etwas zuviel des Guten gewesen . Das Holzdeck bringt optisch etwas Ruhe 'rein , bemalte man selbst das Deck mit Tarnfarben , würde man beim Betrachten des fertigen Modells vermutlich Schwindelanfälle erleiden . Die Qualität des Bausatzes ist i.A. sehr gut , gerade die Ätzteile sind erheblich besser zu verarbeiten als bei älteren Modellen dieses Herstellers , die Passgenauigkeit ist excellent . Positiv 1 ) Interessanter Bausatz in großem Maßstab . Ein Projekt für ambitionierte Modellbauer . Das Original war zwar m.E. nicht so elegant wie beispielsweise die HMS Hood und aufgrund der zahllosen Kompromisse , die man beim Bau der Rodney aufgrund des Washingtoner Flottenabkommens eingehen musste , mit vielen Schwächen behaftet , jedoch war die Silhouette der "Nelson"-Klasse einzigartig und hochinteressant . Das Gleiche gilt für das Modell . 2 ) Im Allgemeinen hervorragende Passgenauigkeit 3 ) Im Allgemeinen gute und nachvollziehbare Anleitung 4 ) diverse Ätzteile , die endlich etwas robuster als bei den "Vorgängermodellen" dieses Maßstabs und an "Sollknickstellen" eingekerbt sind , liegen dem Bausatz bei . Eine klare Steigerung zur "Arizona" und "Bismarck" . 5 ) Sämtliche Teile sind aufgrund der durchdachten Konzipierung der Spritzrahmen und Baugruppen sehr leicht auffindbar . 6 ) Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis 7 ) Sieht in gebautem Zustand imposant aus ( Länge : 1,08 m ). 8 ) Anders als bei Vorgängerbausätzen ist der Rumpf gut detailliert ( Plattengänge etc. ), wenngleich der Boden des Schiffes "plan" ist . 9 ) Unterscheidet sich in zahllosen Details vom Bausatz der "Nelson" . Negativ 1) die Anleitung enthält keinerlei Takelplan ( absolut unverständlich , das Trumpeter dieses unverzeihliche Manko nicht endich abstellt ) einige Bauabschnitte wirken etwas überfrachtet und unübersichtlich . Leider gibt es aus der sonst sehr hilfreichen "Super Drawings in 3d" noch keine Ausgabe , die die "Rodney" zum Thema hat . Hier sind also Internetrecherche , Phantasie und "Mut zur Lücke" beim Takeln erforderlich . Die Farbschemata dürften gern etwas detaillierter sein . Eine Deckaufsicht und ein Profilriss in DIN A5 reichen nicht aus , um den Dampfer angemessen zu lackieren. Grundsätzlich kann man sagen, das die Malanleitung "vorn und hinten" nicht stimmt , sowohl farblich als auch von de Gestaltung der Farbflächen, deren Umrisse in Wirklichkeit sehr viel ruhiger waren als in der Malanleitung ( siehe Originalfoto ) . 2 ) Unzählige Auswurfmarkierungen machen umfangreiche Nacharbeiten teilweiser winziger Teile erforderlich 3 ) Den Decals liegen nicht einmal Ahminge bei . 4 ) Einge Teile sind so winzig , dass sie selbst mit der Pinzette kaum noch handhabbar sind . Einmal auf den Teppich gefallen , sind sie auf Nimmerwiedersehen in der Schlingware verschwunden . Überzählige Teile als "Reserve" gibt es kaum . Müssen jetzt unbedingt kleine E-Motoren , die im Original 20cm Durchmesser hatten oder genauso winzige Pistolen separate Bauteile sein ? 5 ) Trumpeter hat es mit der Verpackung übertrieben . Jeder Spritzling ist separat eingeschweisst . Einige Spritzlinge wurden in separate kleine Kartons verpackt . Sieht hübsch aus , wenn man den Bausatz erstmals öffnet , hat aber keinen praktischen Nutzen und produziert nur Unmengen an Müll . 6 ) Wie üblich wird das Modell ohne Ständer geliefert. Fazit : hervorragender Bausatz , dessen Qualität und Größe beeindruckt . Trotz einiger Schwächen im Detail äußerst empfehlenswert . Für erfahrene Hobbymodellbauer stellt der Bausatz abgesehen von der Bemalung kein allzu großes Problem dar . Positiv auch , dass Trumpeter sukzessive häufiger kritisierte Mängel ( z.B. Qualität der Ätzteile ) abstellt . Wenn die Anleitung künftig auch noch Takelpläne enthielte und man bei der Recherche der Farbgebung etwas sorgfältiger gewesen wäre, hätte der Bausatz annähernd perfekt sein können . Selbst wenn man die HMS Nelson bereits gebaut hat , kann man die HMS Rodney aufgrund zahlloser Unterschiede zum Schwesterschiff guten Gewissens kaufen . Klare Kaufempfehlung .